Kaufberatung: Welche Größe bei Kindergitarren?

Wenn die Anschaffung der ersten Kindergitarre ansteht und man – wie wahrscheinlich die meisten Eltern – keine Erfahrungen mit dem Instrument hat, fühlt man sich vom großen Angebot der Hersteller oft völlig überfordert. Natürlich empfehle ich immer ganz altmodisch den Gang ins nächste Musikfachgeschäft um sich beraten zu lassen, hier aber trotzdem mal ein kurzer Überblick zur groben Orientierung:

Die meisten Kinder lernen zuerst auf einer klassischen Konzertgitarre. Der Einstiegspreis für ein vernünftiges Modell liegt bei ca. 100.- Euro. Natürlich gibt es auch wesentlich günstigere Instrumente, aber damit wird man wahrscheinlich nur wenig Freude haben. Für welchen Hersteller man sich entscheidet ist in der Preisklasse eigentlich gar nicht so relevant – hier gilt wie meistens im Leben „you get what you pay for“. Viel wichtiger ist die richtige Größe des Instruments:

  • für 4–6 Jahre (ca. 110 cm Körpergröße) empfehle ich 1/8 Konzertgitarren
  • für 5–8 Jahre (ca. 110–130 cm Körpergröße) empfehle ich 1/4 Konzertgitarren
  • für 7–9 Jahre (ca. 120–140 cm Körpergröße) empfehle ich 1/2 Konzertgitarren
  • für 10–13 Jahre (ca. 130–150 cm Körpergröße) empfehle ich 3/4 Konzertgitarren
  • ab 11 Jahren (ca. 150 cm Körpergröße) empfehle ich 7/8 Konzertgitarren

Ab einer Körpergröße von 160 cm kann man gerne auch direkt zur großen 4/4 Konzertgitarre greifen. Manche bleiben aber auch gerne bei der 7/8 Größe, die sich auch für kleine Erwachsene empfiehlt.

Warum eigentlich nicht direkt mit der E-Gitarre beginnen? Das ist natürlich ebenfalls möglich.

Hier ist die Auswahl allerdings nicht ganz so groß:

  • für 6-9 Jahre (ca. 120-140 cm Körpergröße) empfehle ich 1/2 E-Gitarren 
  • für 7-11 Jahre (ca. 130-150 cm Körpergröße) empfehle ich 3/4 E-Gitarren

Mögliche alternative Bezeichnungen für kleinere E-Gitarren sind auch „Short Scale“, „Junior“, „Mini“ oder „Micro“.

Ab einem Alter von zehn Jahren bzw. einer Körpergröße von 145 cm kann man eigentlich bedenkenlos zu einem Erwachsenenmodell greifen. Im Unterschied zur Konzertgitarre hat die E-Gitarre einen schmaleren Hals, so dass hier das Greifen mit kleinen Händen deutlich leichter fällt.

Achtung: zur E-Gitarre gehören immer noch ein kleiner Verstärker + Gitarrenkabel dazu. Budgetmäßig sollte man für ein solches Paket also ca. 200 – 300 Euro einkalkulieren.

Ich hoffe, dieser Artikel konnte ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Fragen und Feedback an info@guitar-mannheim.de sind jederzeit willkommen.


Buchrezension: Rock & Jazz Harmony

Mathias Löffler – Rock & Jazz Harmony: Die Klangwelt der Rock- und Jazzmusik verstehen

Harmonielehren gibt es wie Sand am Meer. Während ein Großteil der Literatur in der Klassik beheimatet ist, konnten sich in der Popularmusik bislang vor allem Frank Haunschilds „Die neue Harmonielehre“ und mit Abstrichen Frank Sikoras „Neue Jazz-Harmonielehre“ als Standardwerke durchsetzen. Der Frankfurter Gitarrist und Dozent Mathias Löffler hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, dass Thema auf 800 (!) Seiten neu aufzubereiten.

Das Buch startet ganz elementar mit einem Crashkurs zum Thema Noten, so dass auch der Anfänger ohne Vorkenntnisse problemlos den Einstieg findet. Nach Abhandlung der Grundlagen wird es dann spätestens im dritten Kapitel („Grundfunktionale Harmonik“) auch für den Fortgeschrittenen interessant. Unter den insgesamt acht Kapiteln überrascht vor allem ein eigenes Kapitel über den Blues (Umfang ca. 40 Seiten), der ja in der Harmonielehre bisher eher stiefmütterlich behandelt wurde, obwohl er schon seit Jahrzehnten zum musikalischen Einmaleins gehört.

Der Umfang des Buches mag den einen oder anderen erst einmal abschrecken, aber keine Sorge, durch den lockeren Schreibstil wird es nie langweilig und wirklich jede einzelne Frage wird ausführlich behandelt, ohne dass sich der Autor zu sehr auf Nebenschauplätzen verirrt. Dabei achtet Mathias immer auf den Praxisbezug und analysiert zahlreiche Songbeispiele. Die Rocker unter uns werden wahrscheinlich dankbar sein, dass dabei nicht nur auf die üblichen Jazz-Standards zurückgegriffen wird, sondern auch aktuelle Rock- und Popsongs berücksichtigt werden.

Fazit: Mathias hat den schwierigen Spagat geschafft, ein Lehrbuch zu schreiben, welches sowohl als Kompletteinführung für den Anfänger wie auch als Nachschlagewerk für den Profi geeignet ist. Didaktisch toll aufbereitet, kann ich das Buch jedem empfehlen, der Musik nicht nur spielen, sondern auch verstehen will.

Zur Bestellung bei Amazon geht es hier entlang. Auf der Homepage des AMA Verlages findet man eine ausführliche Inhaltsübersicht und einige Beispielseiten aus dem Buch.